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PRÄVENTION

ist immer besser als Behandlung

Quelle: Wikipedia

Von Bionerd - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2947198

Die Herzrhythmusstörung

- unregelmäßige Abfolge der Erregungen und/oder der Pulsschläge

Unter einer Herzrhythmussstörung (HRS), mit den Formen (Karadiale) Arrhythmie (altgriechisch ἄρρυϑμος, „unrhythmisch“; unregelmäßige Abfolge der Erregungen und/oder der Pulsschläge) und Kardiale Dysrhythmie (Abweichung von der normalen Herzfrequenz oder Störung des zeitlichen Ablaufs der einzelnen Herzaktionen), versteht man eine Störung der normalen Herzschlagfolge, verursacht durch nicht regelrechte Vorgänge bei der Erregungsbildung und -leitung im HerzmuskelPhysiologische Veränderungen im Herzrhythmus werden hingegen als Herzfrequenzvariabilität bezeichnet. Darunter gibt es eine Beschleunigung (Tachykardie) und eine Verlangsamung (Bradykardie) der Herzfrequenz.

Einteilung


Herzrhythmusstörungen werden meist nach ihrem Entstehungsort (Vorhof, Kammer, Erregungsbildung und -leitungssystem) unterteilt. Weitere Unterteilungsmöglichkeiten sind nach

  • Geschwindigkeit (Frequenz) des resultierenden Herzschlages: bradykarde (beim erwachsenen Menschen weniger als 60 Schläge in der Minute) oder tachykarde Rhythmusstörungen,
  • Gefährlichkeit: gutartige (mit hämodynamisch stabiler Symptomatik[1]) oder bösartige, durch instabile Hämodynamik potentiell lebensbedrohliche Rhythmusstörungen
  • Entstehung(smechanismus): angeborene (zusätzliche Leitungsbahnen bzw. fokale Impulsbildung, kreisende Erregung, Herzmuskelerkrankungen, Ionenkanalerkrankungen) oder erworbene (ischämisch, Verdickung des Herzmuskels, Vergrößerung der Herzhöhlen) Störungen.
  • Ursprungsort: Supraventrikuläre (Supraventrikuläre Tachykardie/Supraventrikuläre Extrasystolen) oder ventrikuläre (Ventrikuläre Tachykardie/Ventrikuläre Extrasystolen) Rhythmusstörung.
  • EKG-Kriterien: Breite und Aussehen des QRS-Komplexes, regelmäßig oder unregelmäßig, Vorhof- und Kammerfrequenz.
  • Beginn: Plötzlich (paroxysmal) oder langsam zunehmende Herzrhythmusstörung.
  • Dauer: Nicht anhaltend (unter 30 Sekunden) oder anhaltend andauernd.


Vorhof (supraventrikuläre Rhythmusstörungen)


  • Extrasystolen
  • Vorhofflimmern
    • Bradyarrhythmia absoluta
    • Tachyarrhythmia absoluta
  • Vorhofflattern
  • Supraventrikuläre Tachykardie
  • Sinuatrialer Block (SA-Block)


Kammer (ventrikuläre Rhythmusstörungen)


  • Ventrikuläre Extrasytolen
  • Akzelerierter idioventrikulärer Rhythmus
  • Ventrikuläre Tachykardie (Kammertachykardie), Sonderform: Torsade-de-pointes-Tachykardie
  • Kammerflattern
  • Kammerflimmern


Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystem


  • Sick-Sinus-Syndrom (SSS, Syndrom des kranken Sinusknotens)
    • darunter z. B.: Bradykardie-Tachykardie-Syndrom
  • (Pathologische) Sinusbradykardie
  • Karotissinus-Syndrom
  • Supraventrikuläre Tachykardie
  • Atrioventrikuläre Blockierungen (AV-Block)
  • AV-Knoten-Reentrytachykardie (AVNRT)
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom)
  • Ventrikulärer Ersatzrhythmus

Symptome


Herzrhythmusstörungen kommen häufig vor. Gesunde bemerken manchmal ein Herzstolpern (Palpitationen) oder kurzzeitiges Aussetzen des Herzschlags, verursacht durch Extraschläge. Herzrasen wie bei schnellem Vorhofflimmern oder bei einer AVNRT wird häufig als regelmäßiges oder unregelmäßiges Klopfen „bis in den Hals“ beschrieben. Ist ein Herz vorgeschädigt, kann sich, bedingt durch die zu hohe Herzfrequenz, eine bestehende Herzschwäche verschlechtern. Dies kann sich beispielsweise durch Luftnot äußern. In ausgeprägten Fällen kann ein Lungenödem resultieren. Auch Herzschmerzen (Angina pectoris) können vorkommen sowie eine Verschlechterung von Symptomen einer vorbestehenden schlechten Hirndurchblutung (Desorientierung, Schwindel, Krampfanfall, vorübergehende Sprach- und Sehstörungen).


Liegt eine langsame (bradykarde) Rhythmusstörung vor (SSS, SA-Block, AV-Block) können Schwindel, Kollapszustände bis hin zu vollständiger Ohnmacht (Synkope) resultieren. In seltenen Fällen kann auch eine tödliche Asystolie bei einem AV-Block III° ohne Ersatzrhythmus vorkommen.


Bei gefährlichen Herzrhythmusstörungen wie einer ventrikulären Tachykardie ist die Auswurfleistung des Herzens meist so stark eingeschränkt, dass ein ausreichender Kreislauf nicht mehr möglich ist, die Patienten verlieren das Bewusstsein. Eine mechanisch fehlende Herzaktion liegt bei Kammerflattern oder -flimmern mit vollständigem Kreislaufstillstand (Asystolie) vor. Treten diese Rhythmusstörungen ohne vorab erkennbaren Grund auf, spricht man vom plötzlichen Herztod.

Diagnostik


Es gibt verschiedene Arten und Formen von Herzrhythmusstörungen, zu deren Diagnostik besonders das EKG (Elektrokardiogramm) - und hier wiederum vor allem das Langzeit-EKG - dient. Falls mit diesen Mitteln die Rhythmusstörung nicht ausreichend diagnostiziert werden kann, ist unter Umständen eine so genannte elektrophysiologische Untersuchung notwendig.


Die Erkennung der Ursache ist Voraussetzung für eine richtige Therapie.

  • Anamnese (v. a. Medikamente, Vorerkrankungen und/oder bestehende Erkrankungen, Familienanamnese)
  • Ruhe-EKG (Erfassung aktuell vorhandener HRS) und Langzeit-EKG (Erfassung tageszeitlich bzw. situationsbedingter HRS), ggf. Eventrekorder (Erfassung vereinzelt auftretender Episoden)
  • Ergometrie (Erfassung von belastungsinduzierten HRS und von Anomalien des Herzfrequenzanstiegs z. B. beim Sick-Sinus-Syndrom)
  • Elektrophysiologische Untersuchung (invasiv, aber sehr präzise z. B. mittels Mapping-Katheter); Erfassung ektoper Foci, akzessorischer Leitungsbahnen (z. B. Mahaim-Fasern oder Kent Bündel beim WPW-Syndrom)
  • Echokardiografie
  • Pharmakologische Tests (z. B. Ajmalintest zur Diagnose eines Brugada-Syndroms)

Ursachen


Angeborene Ursachen


  • Kardiomyopathien
  • Akzessorische (überzählige) Leitungsbahnen (WPW-Syndrom, AVNRT)
  • Ionenkanalstörungen (Brugada-Syndrom, angeborenes Long-QT-Syndrom)
  • angeborene Herzfehler (Vitien mit Druck- oder Volumenbelastungen des Herzens)


Erworbene Ursachen


  • Herzmuskelschädigung
    • nach Herzinfarkt
    • Herzklappenerkrankungen, häufig die erworbene Mitralinsuffizienz
    • Hypertensive Herzkrankheit
    • nach herzchirurgischen Eingriffen
  • Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung (Myokarditis, Pericarditis)
  • toxische Dilatative Kardiomyopathie


Andere (extrakardiale) Ursachen


  • Hyperthyreose
  • Elektrolytstörungen (Kalium, Magnesium, Calcium)
  • Medikamente (Katecholamine, Antiarrhythmika, Herzglykoside, Trizyklische Antidepressiva, einige Antibiotika)
  • Stromunfall
  • Karotissinussyndrom (auch „Hyperreaktiver Karotissinus“)
  • psychovegetativ (Angst, Stress, Übermüdung, erhöhter Vagotonus)
  • Holiday Heart Syndrom
  • Hypoxie
  • Roemheld-Syndrom